Hohe Erwartungen werden selten erfüllt! Das musste ich gestern Abend bitterlich erfahren. Es lag nicht allein an Martin Rütter und seiner neuen, m. E. mittelmäßigen Tour "Der tut nix", sondern auch an der Tatsache, dass wir anderthalb Stunden auf der Autobahn feststeckten und somit die erste halbe Stunde der Show verpassten. Ausgerechnet an diesem Abend steht die A4 zwischen Wilsdruff und dem Dreieck Nossen Kopf: Neun Kilometer Stau, verursacht durch mehrere Unfälle. Nicht einmal unser Zeitpuffer von 45 Minuten konnte diesen Verkehrsschlamassel ausgleichen.
Der Große Saal der Chemnitzer Stadthalle mit seinen knapp 2.000 Sitzplätzen war vollständig ausverkauft. Dank freier Platzwahl blieben vereinzelt Sitze leer, weshalb wir drei Zuspätkommer es uns auf der Treppe bequem machen durften. An sich kein Problem, wenn wenigstens Rütters Programm überzeugt hätte. Vom "Hundeprofi" hätte ich mir etwas mehr humorvoll verpacktes Fachwissen und dafür weniger plumpe Komik à la Mario Barth erwartet. Herr Rütter ließ sein Publikum beispielsweise an Erlebnissen aus seinem Mallorca Urlaub teilhaben, erzeugte Lacher durch sexuelle Anspielungen und zog Mann-Frau-Vergleiche.
Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus der Kategorie Frau vs. Mann: Auf die am häufigsten gestellte Journalistenfrage, warum ausgerechnet der Hund der beste Freund des Menschen sei und nicht irgendein anderes Tier, antwortet der selbst ernannte Bürgermeister von Dog's City, dass Frauen dafür andere Gründe hätten als Männer. Für den Mann sei es Rütter zufolge wichtig, dass der Hund beim Fußball gucken nicht dazwischen quatscht, dass er nicht meckert, wenn Herrchen mal einer attraktiven Dame hinterher schaut und außerdem nehme der Hund es auch nicht so genau mit seiner Körperhygiene. Die Frau hingegen schätze an ihrem Vierbeiner besonders, dass dieser ohne zu nörgeln alles frisst, was man ihm vorsetzt, dass sich jemand so richtig freut, wenn man nach Hause kommt und... und... Äh? Den dritten Grund habe ich vergessen. Dies könnte daran liegen, dass Rütters neue Show nicht gerade ein unvergessliches Erlebnis war, teilweise wiederholte er sogar altbekannten Gags. Das Programm als schlecht zu bezeichnen, wäre auch übertrieben. Ich würde sagen: Mittelmäßig. Das können Sie besser, Herr Rütter!
Ich mag Martin Rütter, sonst wäre ich wohl kaum extra wegen ihm 80 Kilometer von Dresden nach Chemnitz gefahren. Und ich bin überzeugt, dass er viel von Hunden versteht. Deshalb habe ich mir in der Pause auch zwei seiner neuen Bücher gekauft: "Sprachkurs Hund. Körpersprache verstehen, richtig kommunizieren" und "Angst bei Hunden. Unsicherheiten erkennen und verstehen, Vertrauen aufbauen". Von Letzterem erhoffe ich mir hilfreiche Tipps gegen Amys Feuerwerksphobie. Bleibt zu hoffen, dass Martin Rütters Hundeexpertise besser ist als sein Komikertalent.
Amy's Frauchen
Martin Rütter mobilisiert knapp 2.000 Menschen und füllt den Großen Saal der Chemnitzer Stadthalle bis unters Dach.
Signier- statt Gassirunde mit Bodyguard. Um ein Haar hätte ich mich auch angestellt, aber das lange Warten wollte ich meinen lieben Begleitern nicht antun.
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